Worte der Pfarrerin

In dieser besonderen Zeit meldet sich an dieser Stelle in möglichst regelmässigen Abständen Pfarrerin Maria Wüthrich zu Wort. Schauen Sie herein!

 

Worte vom 27. März 2020:

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuss gehen kann.

Dem Herren musst du trauen,
wenn dir’s soll wohl ergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
Und mit selbsteigner Pein
Lässt Gott sich gar nichts nehmen:
Es muss erbeten sein.

Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
erspriesslich ist, willst tun.

Hoff, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt.
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit grossen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.

(Paul Gerhardt, Reformiertes Gesangbuch Nr. 680,1.2.4.6)

 

Liebe Mitchristen,

Meine Schwiegermutter verlor in den letzten Monaten mehr und mehr ihre Sprache. Als sie dann noch stürzte und den Oberschenkelhals brach, war eine Operation unumgänglich. Nachdem sie aus der Narkose erwacht war, sagten alle vom Pflegepersonal, sie könne nicht mehr sprechen. Als ich mit meiner Schwiegermutter allein im Zimmer war, lud ich sie ein, mit mir zu singen, z.B. «Befiehl du deine Wege.» Klar und deutlich kamen die Worte über ihre Lippen und die Stimme tönte gut – und wer danach zuerst mit der zweiten Strophe begann, war sie, die Frau, die nicht mehr sprechen konnte!
Warum erzähle ich dies? Wir haben seit unserer Kindheit Schätze gesammelt und in unserm Innern gelagert, seien dies nun Auswendig-Gelerntes, Erinnerungen, Erfahrungen, Lieder… Eines der Lieder, das früher sehr oft von den Konfirmanden auswendig gelernt werden musste, ist: «Befiehl du deine Wege.» Die Anfangsworte der Liedstrophen ergeben nacheinander geschrieben den Vers 5 aus Psalm 37.
Im ganzen langen Psalm 37 wird dieser eine Vers aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Immer neu wird durchbuchstabiert: «Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.» Der Mensch im Psalm fragt, ob es sich denn lohne, so auf Gott zu vertrauen? Es scheine doch, als würde den Gottlosen alles gelingen und die ‘Frevler’ seinen freier in ihrem Tun. Dann aber bemerkt er auch, dass deren Handeln sie oft selber unglücklich macht und tröstet sich zum Schluss damit, dass «die Rettung der Gerechten vom Herrn kommt, er ist ihre Zuflucht in der Zeit der Not. Der Herr steht ihnen bei und rettet sie.»

Gott begleite euch mit seinem Segen.

«Gott segne uns und behüte uns; Gott lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig; Gott wende uns sein Angesicht zu und schenke der ganzen Welt seinen Frieden.»

Maria Wüthrich, Pfarrerin

 

Worte der Pfarrerin vom 20. März 2020